Vertrauensbruch statt Dialog: Polizeiliches Handeln beim Spiel Hertha BSC – FC Schalke 04 stellt Sinn von Stadionallianzen infrage

Die Ereignisse rund um das Spiel von Hertha BSC gegen den FC Schalke 04 markieren einen weiteren Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Fußballfans und Sicherheitsbehörden. Die uns vorliegenden Berichte über massive, unverhältnismäßige Polizeigewalt gegen Heim- und Gästefans sowie das Vorgehen im Nachgang – bis hin zu Einschüchterungen im Umfeld von Krankenhäusern – sind erschütternd und nicht hinnehmbar.

Besonders schwer wiegt dabei ein strukturelles Problem, das weit über dieses einzelne Spiel hinausweist: Beim Spiel in Berlin bestanden im Vorfeld Absprachen zwischen Verein, Fanvertretungen und Polizei, die im Rahmen der üblichen Sicherheitsbesprechungen getroffen wurden. Diese Vereinbarungen wurden von Seiten der Polizei am Spieltag nicht eingehalten. Noch gravierender ist, dass die Einsatzstrategie, die letztlich zur Eskalation führte, weder transparent kommuniziert, noch in den vorbereitenden Gesprächen thematisiert wurde. Stattdessen wurden am Spieltag Fakten geschaffen – ohne Einbindung der anderen Beteiligten.

Dazu sagt Linda Röttig, Vorstand im Dachverband der Fanhilfen: „Dieses Vorgehen untergräbt die Grundlage jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit. Wenn polizeiliche Einsatzkonzepte in Sicherheitsrunden nicht offengelegt werden, Absprachen folgenlos bleiben und polizeiliches Handeln sich vollständig davon entkoppelt, verlieren Dialogformate ihren Sinn.

Vor diesem Hintergrund muss die zuletzt von der IMK und ihrer Bund-Länder offenen Arbeitsgruppe (BLOAG) propagierte Idee sogenannter ‚Stadionallianzen‘ kritisch hinterfragt werden. Die Ereignisse in Berlin zeigen exemplarisch, dass solche Allianzen wirkungslos bleiben, wenn die Polizei sich faktisch nicht an gemeinsam getroffene Absprachen gebunden fühlt und ohne Vorwarnung eskalierende Maßnahmen umsetzt. Vertrauen lässt sich nicht verordnen – es entsteht nur dort, wo Verlässlichkeit, Transparenz und Rechenschaftspflicht gegeben sind. Ebenfalls Teil der Pläne der IMK war ein durch die Polizei vorgegebenes Kommunikationkonzept. Konkret hieße dies, dass sich sowohl der Verein Hertha BSC, als auch das sozialpädagogische Fanprojekt Berlin im Nachgang nicht abweichend zu den Vorfällen öffentlich hätten äußern dürfen. Im konkreten Fall waren die jeweiligen Stellungnahmen jedoch sehr wertvoll, damit die Öffentlichkeit ein umfassendes Bild über die Vorfälle und deren Hintergründe erhält. 

Dies ist mit Blick auf die öffentliche Nachbereitung des Einsatzes durch die Berliner Polizei selbst umso wichtiger, welche von Widersprüchen, Spekulationen und Relativierung der erlittenen Verletzungen geprägt ist. Eine ernsthafte Reflexion des eigenen Handelns oder ein Eingeständnis möglicher Fehler fehlt bislang vollständig. Dies verstärkt den Eindruck des institutionellen ‚Feindbildes Fan‘, das jede Deeskalation im Keim erstickt.

Wir fordern:

  • eine unabhängige und transparente Aufarbeitung des Polizeieinsatzes,
  • die lückenlose Einhaltung von Absprachen aus Sicherheitsbesprechungen,
  • die Offenlegung polizeilicher Einsatzstrategien gegenüber Vereinen und Fanvertretungen,
  • eine zeitnahe und transparente Veröffentlichung der Zahlen eingesetzter Beamter,
  • sowie eine grundlegende Neubewertung von Dialogformaten, wenn diese von staatlicher Seite nicht ernsthaft gelebt werden.

Die Geschehnisse in Berlin dürfen kein weiterer Beleg dafür werden, dass Dialog nur auf dem Papier existiert, während in der Praxis Eskalation und Machtdemonstration dominieren. Wer Stadionallianzen will, muss sich auch an sie halten.“