Dachverband der Fanhilfen begrüßt Debatte im Bundestag über einen Kurswechsel im Umgang mit Fußballfans

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagsdebatte am 10. Juni über die Sicherheit in Fußballstadien und den Erhalt der Fankultur begrüßt der Dachverband der Fanhilfen die parlamentarische Auseinandersetzung mit dem Umgang von Politik und Sicherheitsbehörden mit Fußballfans. Die Anträge der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen greifen zentrale Kritikpunkte auf, die von Fanorganisationen seit vielen Jahren formuliert werden.

„Fußballfans sind keine Staatsgefahr, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Fankultur. Wer über Sicherheit im Stadion spricht, muss die Perspektiven der Betroffenen ernst nehmen und Fans als Gesprächspartner auf Augenhöhe anerkennen“, erklärt Danny Graupner, Sprecher des Dachverbands der Fanhilfen.

Es ist zu begrüßen, dass im Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bedeutung der Fanhilfen erkannt wurde. Auch der Antrag der Fraktion Die Linke „Fankultur schützen – Dialog statt Repression, Mitbestimmung statt Diskriminierung“ benennt wichtige Schritte für einen überfälligen Politikwechsel: Nicht mehr Überwachung von Fußballfans, sondern mehr Achtung der Grund- und Freiheitsrrechte der Fans ist dringend nötig! Besonders die Forderung nach einer grundlegenden Reform der Datei „Gewalttäter Sport“ entspricht langjährigen Forderungen der Fanhilfen. Die Speicherung personenbezogener Daten ohne strafrechtliche Verurteilung stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Rechte der Betroffenen dar und muss beendet werden. Zudem wird von beiden Fraktionen zurecht vor einer Einführung flächendeckender, intelligenter Videoüberwachung im Stadionkontext bzw. bei öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel gewarnt.

Ebenso begrüßt der Dachverband die vorgeschlagene Überprüfung bundesweiter Stadionverbote hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Auswirkungen auf Grundrechte. Dazu Danny Graupner: „Bestrafungen ohne gerichtliche Verurteilung sowie vermeintlich präventive Maßnahmen mit weitreichenden Folgen für die Betroffenen widersprechen allen rechtsstaatlichen Prinzipien. Der Grundsatz, keine Strafe ohne Schuld, muss auch beim Fußball gelten. Kollektivstrafen gegen Fans, pauschale Betretungsverbote und die Einstufung von Spielen als sogenannte Hochrisikobegegnungen ohne ausreichende Beteiligung der Vereine und Fanvertretungen tragen nicht zur Deeskalation bei. Stattdessen verstärken sie Misstrauen und Konflikte.“

Die nun angestoßene Debatte im Deutschen Bundestag bietet die Chance, den bisherigen sicherheitspolitischen Kurs zu hinterfragen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Dafür braucht es eine konsequente Einbindung von Fanhilfen, organisierten Fans und anderen Fanvertretungen in politische Entscheidungsprozesse.

„Fankultur lebt von Mitbestimmung, Vielfalt und gesellschaftlichem Engagement. Wer sie erhalten will, muss ihre Repräsentanten stärken, statt sie unter Generalverdacht zu stellen. Wir erwarten von den demokratischen Fraktionen, dass sie die vorliegenden Vorschläge ernsthaft prüfen und den Dialog mit der Fanszene suchen“, so Graupner abschließend. 

10. Juni 2026

Saisonbericht 2025/2026: Zunehmende Polizeigewalt gegenüber Fußballfans bereitet Anlass zur Sorge

Die Saison 2025/2026 war erneut von regelmäßiger Polizeigewalt und anderen unverhältnismäßigen Maßnahmen gegenüber Fußballfans geprägt. Noch nie musste der Dachverband der Fanhilfen so viele Vorfälle beleuchten, wie in der vergangenen Spielzeit. Von der Champions League bis hinunter zur 6. Liga wurden Übergriffe gegen Fans dokumentiert, bei denen die Polizei überzogen hart gegen Fußballfans vorgegangen ist.

Fußballfans werden bereits bei der Anreise von massiven Polizeiaufgeboten empfangen, begleitet und überwacht. Sie werden teilweise am Stadionbesuch gehindert oder müssen sich Nacktkontrollen unterziehen. Dabei bleibt die Lage in den Stadien sowie auf den Anreisewegen selbst laut polizeieigenen Statistiken sicher.

Danny Graupner, Sprecher des Dachverbandes wird daher deutlich: „Fans ausdrücklich immer nur als Sicherheitsrisiko zu begreifen, ist schlicht eine Verkennung der Tatsachen. Vielmehr bedarf es endlich eines echten Dialoges auf Augenhöhe. Dieser bleibt trotz anderslautender Versprechungen seitens Politik und Verbänden weiterhin aus!“

Es braucht Transparenz sowie Teilhabe und ganz sicher keine Deals hinter verschlossenen Türen, wie in der Vergangenheit. Entscheidungen über die Köpfe von Fans hinweg sind nicht mehr zeitgemäß und einer Demokratie nicht würdig. Forderungen, wie die Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien können daher nur als ein Irrweg der Vergangenheit verstanden werden. Entsprechend lehnen wir die angekündigten, repressiven Maßnahmen ab und fordern alle Beteiligten erneut zum Dialog auf.

Anstatt immer mehr Repressionen und Gesetzesverschärfungen zu fordern, sollte endlich ein Umdenken bei Hardlinern in Polizei und Innenpolitik einsetzen. 

„Die deutschen Stadien sind Festungen von Demokratie und Meinungsfreiheit. Die zunehmende Gewalt seitens der Polizei bereitet uns hier große Sorgen. Es gilt Fankultur als das zu begreifen, was sie ist: ein bereicherndes und nicht mehr aus deutschen Stadien wegzudenkendes Stück Fußball, das maßgeblich dazu beiträgt, dass hunderttausende Menschen verschiedenster Couleur Wochenende für Wochenende wie nirgendwo sonst zusammenkommen. Fußball und Fankultur stiften Identität sowie Zusammengehörigkeitsgefühl in Zeiten immer weiter voranschreitender gesellschaftlicher Polarisierung und Abkapselung.“ so Danny Graupner abschließend.

Innenminister weiter auf populistischem Irrweg unterwegs

Im Vorfeld der am Donnerstag beginnenden Sportministerkonferenz gehen die Innenminister weiter auf Konfrontationskurs gegenüber Fußballfans. Mithilfe gefühlter Wahrheiten, haltloser Behauptungen und Drohungen machen die Innenminister Herbert Reul (CDU) und Armin Schuster (CDU) öffentlich Stimmung. Der zuletzt versprochene Dialog mit Fans auf Augenhöhe fehlt weiterhin.

So hatte nicht nur der bisherige IMK-Vorsitzende Ulrich Mäurer (SPD) noch Anfang Dezember einen Dialog mit den Fans angekündigt, sondern auch Schuster selbst machte ein solches Angebot. Nichts dergleichen wurde jedoch eingehalten – weder der versprochene Dialog noch die nötige Transparenz bei der Erarbeitung nächster Schritte. Ganz zu schweigen von einer wirklichen Teilhabe von Fanvertretungen. Stattdessen präsentieren sich Reul und Schuster in der Öffentlichkeit weiterhin als unnachgiebige Hardliner. Behauptungen, dass jedes Wochenende Spiele wegen Pyro unterbrochen würden oder Menschen dadurch verletzt werden, entbehren jeglicher Grundlage. Auch die Aussage, jeden Samstag und Sonntag würde seitens der Fans in die ausgestreckte Hand geschlagen werden, irritiert in diesem Zusammenhang massiv. Gleichzeitig nehmen Repressionen gegen Fans immer weiter zu, ohne jede Selbstkritik der Polizei. Schon jetzt zählen wir 32 überzogene und gewalttätige Übergriffe von Einsatzkräften gegen Fans in dieser Saison und es sind noch rund ein Viertel der Spiele zu absolvieren.

Danny Graupner vom Dachverband der Fanhilfen e. V. zeigt sich daher ernüchtert vom bisherigen Prozess: „Anstatt sich an eigene Zusagen zu halten und den Worten auch Taten folgen zu lassen, stellen die Innenminister lieber Fans öffentlich an den Pranger. Sie verweigern sich dem Dialog und der versprochenen Transparenz. Erneut verspielt hier die Politik das Vertrauen von Fußballfans und damit von zahlreichen wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern. Dieses Vorgehen ist schlicht beschämend! Die weiterhin auf dem Tisch liegenden realitätsfernen Vorschläge zu Verschärfungen, beispielsweise personalisierte Eintrittskarten und Gesichtsscanner an den Eingängen, müssen endlich zurückgenommen werden. Nur eine konstruktive und entlang der Fakten gemeinsam mit Fans geführte Debatte kann zu tragfähigen Lösungen führen.“

Vertrauensbruch statt Dialog: Polizeiliches Handeln beim Spiel Hertha BSC – FC Schalke 04 stellt Sinn von Stadionallianzen infrage

Die Ereignisse rund um das Spiel von Hertha BSC gegen den FC Schalke 04 markieren einen weiteren Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Fußballfans und Sicherheitsbehörden. Die uns vorliegenden Berichte über massive, unverhältnismäßige Polizeigewalt gegen Heim- und Gästefans sowie das Vorgehen im Nachgang – bis hin zu Einschüchterungen im Umfeld von Krankenhäusern – sind erschütternd und nicht hinnehmbar.

Besonders schwer wiegt dabei ein strukturelles Problem, das weit über dieses einzelne Spiel hinausweist: Beim Spiel in Berlin bestanden im Vorfeld Absprachen zwischen Verein, Fanvertretungen und Polizei, die im Rahmen der üblichen Sicherheitsbesprechungen getroffen wurden. Diese Vereinbarungen wurden von Seiten der Polizei am Spieltag nicht eingehalten. Noch gravierender ist, dass die Einsatzstrategie, die letztlich zur Eskalation führte, weder transparent kommuniziert, noch in den vorbereitenden Gesprächen thematisiert wurde. Stattdessen wurden am Spieltag Fakten geschaffen – ohne Einbindung der anderen Beteiligten.

Dazu sagt Linda Röttig, Vorstand im Dachverband der Fanhilfen: „Dieses Vorgehen untergräbt die Grundlage jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit. Wenn polizeiliche Einsatzkonzepte in Sicherheitsrunden nicht offengelegt werden, Absprachen folgenlos bleiben und polizeiliches Handeln sich vollständig davon entkoppelt, verlieren Dialogformate ihren Sinn.

Vor diesem Hintergrund muss die zuletzt von der IMK und ihrer Bund-Länder offenen Arbeitsgruppe (BLOAG) propagierte Idee sogenannter ‚Stadionallianzen‘ kritisch hinterfragt werden. Die Ereignisse in Berlin zeigen exemplarisch, dass solche Allianzen wirkungslos bleiben, wenn die Polizei sich faktisch nicht an gemeinsam getroffene Absprachen gebunden fühlt und ohne Vorwarnung eskalierende Maßnahmen umsetzt. Vertrauen lässt sich nicht verordnen – es entsteht nur dort, wo Verlässlichkeit, Transparenz und Rechenschaftspflicht gegeben sind. Ebenfalls Teil der Pläne der IMK war ein durch die Polizei vorgegebenes Kommunikationkonzept. Konkret hieße dies, dass sich sowohl der Verein Hertha BSC, als auch das sozialpädagogische Fanprojekt Berlin im Nachgang nicht abweichend zu den Vorfällen öffentlich hätten äußern dürfen. Im konkreten Fall waren die jeweiligen Stellungnahmen jedoch sehr wertvoll, damit die Öffentlichkeit ein umfassendes Bild über die Vorfälle und deren Hintergründe erhält. 

Dies ist mit Blick auf die öffentliche Nachbereitung des Einsatzes durch die Berliner Polizei selbst umso wichtiger, welche von Widersprüchen, Spekulationen und Relativierung der erlittenen Verletzungen geprägt ist. Eine ernsthafte Reflexion des eigenen Handelns oder ein Eingeständnis möglicher Fehler fehlt bislang vollständig. Dies verstärkt den Eindruck des institutionellen ‚Feindbildes Fan‘, das jede Deeskalation im Keim erstickt.

Wir fordern:

  • eine unabhängige und transparente Aufarbeitung des Polizeieinsatzes,
  • die lückenlose Einhaltung von Absprachen aus Sicherheitsbesprechungen,
  • die Offenlegung polizeilicher Einsatzstrategien gegenüber Vereinen und Fanvertretungen,
  • eine zeitnahe und transparente Veröffentlichung der Zahlen eingesetzter Beamter,
  • sowie eine grundlegende Neubewertung von Dialogformaten, wenn diese von staatlicher Seite nicht ernsthaft gelebt werden.

Die Geschehnisse in Berlin dürfen kein weiterer Beleg dafür werden, dass Dialog nur auf dem Papier existiert, während in der Praxis Eskalation und Machtdemonstration dominieren. Wer Stadionallianzen will, muss sich auch an sie halten.“

IMK setzt Irrweg gegen Fans und Vereine fort

Rund um die kürzlich stattgefundene 224. Innenministerkonferenz (IMK) wurde versucht, den Eindruck zu vermitteln, dass die Politik sich auf Fans und die Vereine zubewegen würde. Der nun veröffentlichte finale Beschlusstext zeigt eindeutig, dass nach wie vor keine Einsicht vorhanden ist. 

„Als hätte es den deutlichen öffentlichen Widerspruch der vergangenen Wochen nicht gegeben, setzen die Innenministerinnen und Innenminister ihren Kurs gegen alle Fans sowie die vielfältige Fankultur unbeirrt fort. Obwohl selbst polizeieigene Zahlen eindeutig belegen, dass die Stadien sichere Orte sind, wird die von der IMK selbst herbeigeführte künstliche Debatte weiterverfolgt. Der veröffentlichte Beschlusstext ist eine in Worte gegossene Trotzreaktion ohne Einsehen oder Blick für die Realität. Die vollständige Intransparenz wird ohne Änderungen fortgesetzt, indem alle Papiere weiterhin unter Verschluss gehalten werden. Die Geheimverhandlungen mit den Verbänden gehen in eine weitere Runde und neue Beschlüsse auf der kommenden IMK im nächsten Sommer in Hamburg werden bereits angekündigt. Hingegen finden sich die wohlklingenden Worte der vergangenen Tage, die einen Dialog mit den Fans in Aussicht gestellt hatten, nicht im Beschlusstext wieder. Ein deutliches Zeichen dafür, dass es hierbei ganz offensichtlich nur um den Versuch der Beruhigung der Öffentlichkeit ging und keine ernsthaften Absichten dahinterstecken“, erklärt Linda Röttig, Mitglied im Vorstand des Dachverbands der Fanhilfen e. V..

Seit Oktober 2024 planen die Innenministerinnen und Innenminister der Länder hinter verschlossenen Türen, neue weitreichende Sicherheitsmaßnahmen gegen alle Fans einzuführen. Dazu gehören unter anderem personalisierte Eintrittskarten, mehr Stadionverbote auf Verdacht sowie der Einsatz von Gesichtsscannern an den Eingängen. Diese Maßnahmen würden das Ende der Fankultur in Deutschlands Stadien bedeuten. In den vergangenen Wochen hatten Fans mit Verweis auf die gute Sicherheitslage in den Stadien für den Erhalt der Fankultur und gegen die Pläne der IMK protestiert. Auch zahlreiche Vereine aus allen Ligen, Fanprojekte und Wissenschaftler hatten Stellung bezogen und sich gegen die neuen Maßnahmen positioniert.

„Wer nach der IMK noch glaubte, dass die kritischen Punkte vom Tisch sind und die Politik auf Fans sowie Vereine zugeht, wird nun schwarz auf weiß eines Besseren belehrt. Gegen jedes gute Argument und gegen die eigenen Polizei-Zahlen setzen die IMK und die Verbände ihren Irrweg konsequent fort. DFB und DFL machen sich damit weiterhin zu Handlangern von realitätsfern agierenden Innenministern und arbeiten aktiv daran mit, die Fankultur in den Stadien auszulöschen. Die Vereine sind nun gefordert, ihren deutlichen Worten der vergangenen Wochen auch deutliche Taten folgen zu lassen. Sie müssen ihren Verbänden entschlossen die Grenzen aufzeigen“, so Linda Röttig abschließend.

Statement zu den Beschlüssen der Innenministerkonferenz

Zum heutigen Abschluss der Innenminister-Konferenz in Bremen sagt Oliver Wiebe, Sprecher im Dachverband der Fanhilfen e. V.:

„Die Proteste der Fans, Vereine und weiteren Akteure haben unverkennbar klargemacht, dass die Maßnahmen der Innenministerkonferenz in der Breite der Gesellschaft abgelehnt werden. Die Innenminister haben nun erneut ohne Beteiligung von Fanvertretern entschieden, ihren populistischen und undemokratischen Kurs fernab jeder Faktenlage fortzusetzen. Wir nehmen zur Kenntnis, dass ein großer Teil der zwischenzeitlich geplanten und von uns kritisierten Maßnahmen nicht beschlossen wurde. Die bundesweiten Proteste haben gewirkt. Dennoch ist es kein Anlass, in großen Jubel zu verfallen. Vielmehr stellt das heutige Ergebnis einen faulen Kompromiss dar, denn weiterhin widerspricht das Ergebnis den Fakten und es fehlt die vollständige Transprenz gegenüber der Öffentlichkeit.

Fernab der Realität und den Erwartungen von Fans und Vereinen wollen sich die Innenminister als angebliche Sicherheitsgaranten profilieren. Die zwanghafte Fixierung auf die Vergabe von Stadionverboten zeigt dies sehr deutlich. Pauschale Vorwürfe und nicht belegte Aussagen zu angeblichen Unregelmäßigkeiten reichen defintiv nicht aus, um hier weitreichende Verschärfungen gegen alle Fans auf den Weg zu bringen. Wir werden die kommenden Entwicklungen ganz genau beobachten und bleiben bei unseren drei Kernforderungen: Die Politik muss vollständige Transparenz herstellen, die Pläne für neue weitreichende Maßnahmen gegen alle Fans müssen endgültig gestoppt werden und es braucht einen offenen, faktenbasierten Dialog mit Vereinen, Fans und Fanprojekten.

Es ist klar: Fußballfans im ganzen Land werden weiterhin für ihre Rechte einstehen. In Zeiten von immer weiter zurückgehendem Vertrauen in politische Akteure, staatliche Funktionsträger und demokratische Institutionen muss ein Umdenken beginnen. Faktenfreie Debatten und realitätsferne Begründungen für neue Maßnahmen sind Beschleuniger für eine weitere Abkehr von der Demokratie.“

Zahlen der Bundespolizei bestätigen erneut: Stadionbesuch ist sicher

Vor wenigen Tagen hat die Bundespolizei ihren neuesten Jahresbericht 2024 veröffentlicht. Darin sind als eigenes Kapitel die Fallzahlen zu Einsätzen mit Fußballbezug aufgeführt, die erneut unterstreichen, dass der Besuch eines Fußballspiels ein sicheres Erlebnis ist.

„Auch die veröffentlichten Zahlen der Bundespolizei belegen, dass der Fußballbesuch, insbesondere auch die Anreise ein sicheres Erlebnis ist. Dies deckt sich mit dem jüngsten Bericht der ZIS und mit den Erfahrungen von hunderttausenden Fans, die jedes Wochenende in die Stadien kommen. Es ist mehr als irritierend, dass die Innenminister diese Zahlen weiterhin nicht anerkennen und an ihren Plänen für neue weitreichende Maßnahmen gegen alle Fans festhalten. Diese Verweigerungshaltung offenbart ein erhebliches Misstrauen der Innenminister gegenüber ihren eigenen Polizeibehörden. Ebenso wird dadurch ein faktenfreier Diskurs befeuert, der sich an gefühlten Wahrnehmungen anstatt an der Realität ausrichtet“, erklärt Linda Röttig, Vorstandsmitglied im Dachverband der Fanhilfen e. V.

Insgesamt hat die Bundespolizei laut Bericht 1.439 Delikte im Fußballumfeld festgestellt. Dies ist ein Rückgang von 9 % im Vergleich zum Jahr 2023. Gleichzeitig wird für den selben Zeitraum von 1673 Einsatzanlässen berichtet. Somit wird deutlich, dass nicht jedem Einsatz der Bundespolizei ein Delikt zugrunde lag. Gleichzeitig wurden insgesamt 91.244 Beamtinnen und Beamte eingesetzt. Dies ist ein Rückgang von 14 %. 

„Die im Bericht genannte Anzahl von rund 5000 sogenannte Szenekundige Beamten, die im gesamten Land eingesetzt wurden, lässt uns trotz der positiven Entwicklung sprachlos zurück. Umgerechnet auf alle Vereine der ersten bis vierten Liga, egal wie viele Fans vor Ort die Stadien besuchen, wären dies 39 zivile Polizeibeamte pro Verein. Dies zeigt deutlich den enormen Repressionsdruck, mit dem gegen alle Fans vorgegangen wird. Und dies trotz eines kontinuierlich sicherer werdenden Stadionerlebnisses“, erläutert Linda Röttig abschließend.

Jahresbericht der Bundespolizei 2024

Aufruf zur Mäßigung – Fan-Brief an den sächsischen Innenminister Armin Schuster

Anfang Dezember planen die Innenminister der Länder auf ihrer Konferenz (IMK) in Bremen, neue weitreichende Maßnahmen gegen alle Fußballfans zu beschließen. Begründet werden diese zum wiederholten Male mit Falschinformationen. Darauf wurde nun reagiert.

„Immer wieder werden in der aktuellen Debatte um die Stadionsicherheit Falschbehauptungen in den Raum gestellt. Der sächsische Innenminister Armin Schuster hat sich hierbei in den vergangenen Tagen besonders hervorgetan. Die von ihm verbreiteten Mythen über angebliche Sicherheitsrisiken in den Stadien bringen Fans massiv in Misskredit. Gleichzeitig positioniert sich Herr Schuster als Hardliner in einer von ihm selbst angezettelten Debatte, die keinerlei Faktenbasis besitzt. Da wir dies im Sinne aller Fans nicht weiter hinnehmen können, rufen wir Innenminister Armin Schuster erneut zur Mäßigung und Anerkennung der bekannten Fakten auf: Die Stadien sind sichere Orte“, so Finn-Christian Frömming, Vorstandsmitglied im Dachverband der Fanhilfen e. V.

Am vergangenen Wochenende haben Fans überall im Land ein eindrucksvolles Zeichen des Protests gegen die Pläne der Innenministerkonferenz gesetzt. Deutschlandweit wurde in den ersten 12 Minuten der Spiele an diesem Wochenende geschwiegen, um den Kontrast zu dem, was die Innenminister planen, deutlich zu machen. In den Stadien gab es dafür große Unterstützung. Auch zahlreiche Vereine haben sich bereits entsprechend positioniert.

„Weiterhin sind alle Dokumente zu den neuen Maßnahmen unter Verschluss, um ganz bewusst eine öffentliche Debatte zu verhindern. Und dann, wenn sich von politischer Seite geäußert wird, werden wie im Fall von Armin Schuster zahlreiche Falschbehauptungen verbreitet. Dieser schädliche Umgang mit der Realität und der interessierten Öffentlichkeit muss endlich beendet werden, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird“, so Finn-Christian Frömming abschließend.

Mehr als 20.000 Fans in Leipzig – Ausrufezeichen für lebendige Fankultur und gegen IMK-Pläne

Seit Wochen protestieren Fans deutschlandweit gegen drohende neue Sicherheitsmaßnahmen. In Leipzig wurde heute mit einer großen Fandemo das nächste Ausrufezeichen gesetzt.

„In großer Geschlossenheit haben Fans aus dem gesamten Land heute in Leipzig ein deutliches Zeichen für den Erhalt der farbenfrohen und vielfältigen Fankultur in den Stadien gesetzt. Mehr als 20.000 Fans von über 50 Vereinen beteiligten sich an dem Demonstrationszug. Das hat die vorherigen Erwartungen deutlich übertroffen!“, so Danny Graupner vom Dachverband der Fanhilfen e. V.

Der heutige Protest in Leipzig richtet sich gegen die Pläne der Innenministerkonferenz (IMK), auf ihrer kommenden Sitzung Anfang Dezember in Bremen weitreichende, neue Sicherheitsmaßnahmen gegen alle Fans zu beschließen. Dazu zählen unter anderem mehr Stadionverbote auf Verdacht und personalisierte Eintrittskarten. Die Verhandlungen finden unter Ausschluss von Fans und Vereinen statt. Dokumente und Zwischenergebnisse sind unter Verschluss.

„Aus Leipzig geht heute eine unmissverständliche Botschaft an die Innenministerkonferenz und die Verbände heraus: Schluss mit den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, Stopp der Pläne und Start eines offenen und faktenbasierten Dialogs zur Stadionsicherheit mit allen Beteiligten. Wir und alle Fans im gesamten Land erwarten jetzt, dass sich die Innenminister nach dem heutigen Tag auf Fans und Vereine zubewegen. Entschlossenheit und Motivation für weiteren Protest sind in jedem Fall bei den Fans vorhanden!“, so Danny Graupner abschließend.