Bundesweites Treffen des Dachverbands: Fanhilfen kritisieren neue Stadionverbotsrichtlinien

Die im Dachverband zusammengeschlossenen 33 Fanhilfen kamen am 27. September in Augsburg zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung zusammen. Mit den neu hinzugekommenen Solidargemeinschaften aus Würzburg, Bielefeld und Saarbrücken konnte erneut Zuwachs verzeichnet werden. Durch letztere ist nunmehr aus jedem deutschen Bundesland mit Ausnahme von Schleswig-Holstein mindestens eine Fanhilfe Mitglied im Dachverband. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Verständigung über aktuelle fanpolitische und rechtliche Entwicklungen rund um den Fußball. Insbesondere die Ende Mai verabschiedeten und seit dem 01.07.2026 geltenden neuen Stadionverbotsrichtlinien wurden von allen Seiten kritisch diskutiert. Hierbei tauschte man sich zu ersten Erfahrungen aus der Praxis aus.

„Die neuen SV-Richtlinien verändern die bisherigen Abläufe. Deshalb werden wir genau hinschauen, wie sie in der Praxis angewendet werden. Entscheidend ist für uns, dass die Verfahren nachvollziehbar bleiben und nicht von oben herab Sanktionen aufoktroyiert werden, nur weil die Entscheidung einer lokalen Kommission gewissen Gremien oder Personen nicht passt. Denn das rechtsstaatliche Prinzip der Unschuldsvermutung muss auch für Fußballfans gelten und kann nicht einfach ad absurdum geführt werden, erklärte Danny Graupner vom Dachverband der Fanhilfen e.V..

Bezug genommen wird hierbei auf die neugeschaffene „Zentrale Aufsichts- und Überprüfungsstelle Stadionverbot (ZAÜS)“. Sie wird insbesondere deshalb kritisch gesehen, weil Entscheidungen von Stadionverbotskommissionen der Vereine im Einzelfall verändert werden können. Dabei wird verkannt, dass die lokalen Stellen eine deutlich bessere Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort haben. Auch die Änderung, dass ein Stadionverbot nicht mehr wie zuvor bei Einleitung eines Strafverfahrens ausgesprochen werden „kann“, sondern „soll“, wie es in den Richtlinien heißt, ist ein großer Kritikpunkt. Datenschutzrechtliche Bedenken wurden ebenso geäußert. Der Dachverband wird die Umsetzung der neuen Stadionverbotsrichtlinien weiter aufmerksam begleiten und die Erfahrungen der einzelnen Fanhilfen dabei einfließen lassen.

Darüber hinaus wurde sich in Augsburg etwa über den Umgang mit Polizei und Sicherheitsbehörden, Überwachung sowie Datenspeicherung ausgetauscht. Die Mitgliederversammlung unterstrich die Bedeutung des bundesweiten Treffens. Die Erfahrungen der einzelnen Fanhilfen bilden eine wichtige Grundlage für die Zusammenarbeit im Dachverband.

„Wir kennen die Situation vor Ort und wissen, welche Themen die Fans an Spieltagen beschäftigen. Diese Erfahrungen zusammenzubringen und daraus resultierend gemeinsam Beschlüsse zu entwickeln, ist eine zentrale Aufgabe des Dachverbands“, so Danny Graupner abschließend.

Augsburg, 27. September 2026