Dachverband der Fanhilfen begrüßt Debatte im Bundestag über einen Kurswechsel im Umgang mit Fußballfans

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagsdebatte am 10. Juni über die Sicherheit in Fußballstadien und den Erhalt der Fankultur begrüßt der Dachverband der Fanhilfen die parlamentarische Auseinandersetzung mit dem Umgang von Politik und Sicherheitsbehörden mit Fußballfans. Die Anträge der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen greifen zentrale Kritikpunkte auf, die von Fanorganisationen seit vielen Jahren formuliert werden.

„Fußballfans sind keine Staatsgefahr, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Fankultur. Wer über Sicherheit im Stadion spricht, muss die Perspektiven der Betroffenen ernst nehmen und Fans als Gesprächspartner auf Augenhöhe anerkennen“, erklärt Danny Graupner, Sprecher des Dachverbands der Fanhilfen.

Es ist zu begrüßen, dass im Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bedeutung der Fanhilfen erkannt wurde. Auch der Antrag der Fraktion Die Linke „Fankultur schützen – Dialog statt Repression, Mitbestimmung statt Diskriminierung“ benennt wichtige Schritte für einen überfälligen Politikwechsel: Nicht mehr Überwachung von Fußballfans, sondern mehr Achtung der Grund- und Freiheitsrrechte der Fans ist dringend nötig! Besonders die Forderung nach einer grundlegenden Reform der Datei „Gewalttäter Sport“ entspricht langjährigen Forderungen der Fanhilfen. Die Speicherung personenbezogener Daten ohne strafrechtliche Verurteilung stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Rechte der Betroffenen dar und muss beendet werden. Zudem wird von beiden Fraktionen zurecht vor einer Einführung flächendeckender, intelligenter Videoüberwachung im Stadionkontext bzw. bei öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel gewarnt.

Ebenso begrüßt der Dachverband die vorgeschlagene Überprüfung bundesweiter Stadionverbote hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Auswirkungen auf Grundrechte. Dazu Danny Graupner: „Bestrafungen ohne gerichtliche Verurteilung sowie vermeintlich präventive Maßnahmen mit weitreichenden Folgen für die Betroffenen widersprechen allen rechtsstaatlichen Prinzipien. Der Grundsatz, keine Strafe ohne Schuld, muss auch beim Fußball gelten. Kollektivstrafen gegen Fans, pauschale Betretungsverbote und die Einstufung von Spielen als sogenannte Hochrisikobegegnungen ohne ausreichende Beteiligung der Vereine und Fanvertretungen tragen nicht zur Deeskalation bei. Stattdessen verstärken sie Misstrauen und Konflikte.“

Die nun angestoßene Debatte im Deutschen Bundestag bietet die Chance, den bisherigen sicherheitspolitischen Kurs zu hinterfragen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Dafür braucht es eine konsequente Einbindung von Fanhilfen, organisierten Fans und anderen Fanvertretungen in politische Entscheidungsprozesse.

„Fankultur lebt von Mitbestimmung, Vielfalt und gesellschaftlichem Engagement. Wer sie erhalten will, muss ihre Repräsentanten stärken, statt sie unter Generalverdacht zu stellen. Wir erwarten von den demokratischen Fraktionen, dass sie die vorliegenden Vorschläge ernsthaft prüfen und den Dialog mit der Fanszene suchen“, so Graupner abschließend. 

10. Juni 2026